Mogel-packung Work-Life-Blending

Christian Scholz Gedanken und Materialien zum New Work



 

Fragen

von Christian Scholz am November 26, 2017

… von Studenten und allen anderen Interessierten  in diesem Forum versuche ich möglichst rasch zu beantworten, sofern es sich nicht um
  • absolute Massen-Mails oder
  • Monster-Fragebogen oder
  • Literatur-Such-Aufträge an mich

handelt. Am liebsten sind mir einige konkrete Fragen, am besten solche, über die ich selber noch nicht nachgedacht habe. (Das ist aber kein „Muss“.)

Oder aber es wird irgendetwas in einem untypischen Umfeld untersucht.

Also: Unten im Forum fragen und anmerken …..

10 Kommentare zu “Fragen

  1. Nathalie M. meint:

    Ist die neoliberale Flexibilisierung des Arbeitsmarktes überhaupt zu bändigen und inwieweit würde der Arbeitgeber davon profitieren?

    • Christian Scholz meint:

      Zu bändigen? Ich hoffe es, aber ich glaube aktuell nicht daran.
      Gerade weil es auf den ersten Blick für Unternehmen reizvoll ist: Betriebliche Mitbestimmung abschaffen? Keine Tarifverhandlungen? Eine maximale tägliche Arbeitszeit von 16 Stunden? Eine maximale Wochenarbeitszeit von 70 Stunden? Und eine Ausgleichsfrist von 5 Jahren? Und dann echtes Work-On-Demand, wo Mitarbeiter exakt dann zur Arbeit kommen, wenn Arbeit ansteht? Und auch nur dann dafür bezahlt werden? Das sind Freiheitszonen, von denen manche Arbeitgeber und (ihre politische Vertretung) träumt.
      Nur bezweifele ich, dass sich das langfristig rechnet.

  2. Annelie K. meint:

    Inwieweit kann der Arbeitgeber die Weichen für ein flexibles, aber sicheres Arbeitsverhältnis (Flexicurity) stellen?

    • Christian Scholz meint:

      Das Originalkonzept geht davon aus, dass Arbeitnehmer leicht das Unternehmen verlassen können, weil sie auch leicht wieder einen Job bekommen. Die Sicherheit entsteht nicht bei einem Arbeitgeber, sondern quasi quer durch alle Arbeitgeber.

  3. Luis H. meint:

    Warum ist das Wort Flexibilität gefährlich und welchen Impuls braucht die Arbeitswelt, um das Flexibilitätspotenzial ausschöpfen zu können?

    • Christian Scholz meint:

      „Flexibilität“ klingt grundsätzlich gut und verführerisch. Wer kann gegen Flexibilität sein. Nur gibt es keine neutrale Flexibilität, sondern eine Flexibilität durch die Mitarbeiter und eine Flexibilität für die Mitarbeiter. Deswegen bedeutet „um das Flexibilitätspotenzial“ auch entweder maximale Flexibilität durch die Mitarbeiter ODER maximale Flexibilität für die Mitarbeiter. Dummerweise kann man nicht beides gleichzeitig maximieren.

  4. Alissa B. meint:

    Ist Flexibilität ein Hauptproblem der Mogelpackung Work-Life-Blending oder sogar der Schlüssel für ein gesundes und ausgewogenes Arbeitsleben?

    • Christian Scholz meint:

      Flexibilität ist nicht das eine zentrale Problem, wohl aber ein schönes Beispiel für die Mogelpackung: Man verspricht (u.a. durch neue Gesetze) Flexibilität für die Mitarbeiter, und nutzt dann diese Flexibilität (und diese Gesetze) um von den Mitarbeitern Flexibilität zu fordern.
      Der zweite Satz ist ein Punkt, der auch gerade bei mir im Themenspeicher steht: Wenn Mitarbeiter durch die permanente Verfügbarkeit gestresst sind, dann wird es durch noch mehr Flexibilität nicht zwingend besser, eher noch schlechter. Und das gilt für beide Richtungen der der Flexibilisierung.

  5. Nathalie M. meint:

    Sind Sie der Aufassung, dass man Menschen in Ihrer Flexibilität typisieren kann? Wenn ja, worauf würde Ihr Fokus liegen?

    • Christian Scholz meint:

      Ich würde bei den Menschen nach Unsicherheitstoleranz differenzieren, bei den Jobs nach Möglichkeit zu Selbstbestimmung.
      Wenn ich meine Person anschaue, dann habe ich eine ziemlich hohe Unsicherheitstoleranz und eine nahezu grenzenlose Form der Selbstbestimmung: Da klappt auch Work-Life-Blending.
      Sobald ich aber fremdbestimmt bin und dann auch nicht mit dem permanenten Gefühl leben kann, plötzlich zur Arbeit geholt werden zu können, dann ist das nicht mehr so schön.

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